Rotfuchs (Vulpes vulpes)

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Familie: Hundeartige (Canidae)

Fuchs 
Foto: Markus Stähli

 

Merkmale

Der Rotfuchs ist der einzige heute ständig vorkommende Vertreter der Hundeartigen in Liechtenstein. Es gibt neun verschie dene Arten von Füchsen weltweit. Die Kopfrumpf-Länge beträgt 50-80 cm, Schwanzlänge meist über 40 cm. Das Durch schnittsgewicht erwachsener Männchen liegt bei 7 kg, Weibchen sind rund 20% leichter. Rote Grannenhaare mit weiss-grauen Spitzen ergeben ein rötliches Fell mit schwar zen Stellen an der Ohrhinterseite, der Oberlippe sowie auf der Vorderseite der Extremitäten. Rötlich über grau bis weiss variieren Kehle, Brust und Bauch. Zweimaliger Haarwechsel pro Jahr. Die typischen Canidenmerkmale sind beim Rot fuchs gut erkennbar: Verlängerter Gesichtsschädel; grosse und sehr bewegliche Ohrmuscheln; ein in Aufbau und Funktion vielseitiges Allesfressergebiss; niedriger, schmal gebauter und gut beweglicher Körper mit langem, buschig behaartem Schwanz und unbeweglichen, stumpfen Krallen. Der Fuchs kann sehr vielfältige Habitate besiedeln. Die schmale Kopfform und Figur zum Beispiel ermöglichen das unauffällige Durchschlüpfen von dichtem Buschwerk und engen Stellen von nur 12 Zentimeter Durchmesser.

 

 

Biologie

Der Rotfuchs ist eine territorial lebende Art mit hoch entwickeltem Geruchs-, Hör- und Sehsinn. Der Familienverband setzt sich aus ein bis zwei Fähen, den Jungen des laufenden Jahres und einem Rüden zusammen. Junge werden blind und als Nesthocker geboren. Ein bis zwölf Junge werden nach 50 bis 53 Tagen Tragzeit «gewölft» und in Dachsbauen, natürlichen Höhlen, unter Feldschobern, trockenen Erdrohren und ähnlichem aufgezogen. Die mangelhaft ausgebildete selbsttätige Thermoregulation der Jungtiere verlangt nach einem geschützten, trockenen Geburtsort und ständiger Präsenz der Fähe in den ersten zwei bis drei Wochen. In dieser Zeit versorgt der Rüde die Familie mit Nahrung. Die erste feste Nahrung nehmen die Jungen in der vierten Woche auf. Zwischen September und November verlassen die Jungen das Elternterritorium, werden Ende Dezember geschlechtsreif und paaren sich im Januar und Februar. Wenn möglich bleibt ein Fuchs sein Leben lang im gleichen Territorium, wenn er es nach der Geschlechtsreife einmal bezogen hat. Die grosse Anpassungsfähigkeit des Rot fuch ses zeigt sich auch in seiner Nahrungswahl und der weiten Verbreitung. Neben fressbaren Abfällen der menschlichen Zivilisation sind Mäuse, Rehe und Hasenartige, Vögel, Früch te, Insekten, bei nassem Wetter vor allem Regenwürmer die Hauptnahrung. Ein fuchstypisches Verhalten ist das «Beuteverstecken», das bei in Rudeln lebenden Carnivoren nicht beobachtet wird. Füchse sind wie die meisten  Carnivoren hauptsächlich dämmerungs- und nachtaktiv und sind bei jeder Witterung unterwegs.

Der Fuchs hat als aktiver Räuber einen wesentlichen Einfluss auf die Vorkommen der Beutetiere. So ist er ein wichtiger Regulator der Feldmauspopulationen. Eine hohe Bestandesdichte des Fuchses reduziert auch die Erfolgschancen bei den Bodenbrütern unter den Vögeln und Feldhasen. Er ist auch der Träger des Fuchsbandwurms, der zwar auf den Menschen übertragbar ist, jedoch nur eine geringe Ansteckungsgefahr aufweist.

 

 

Jungfüchse
Jungfüchse in Ruggell. (Foto: Xaver Roser)

 

Verbreitung

Die grosse Anpassungsfähigkeit an Nahrungsquellen und Lebensraumbedingungen erlaubt eine weite, flächendecken de Verbreitung: Auf der gesamten nördlichen Erdhälfte, von Küstengebieten bis über die Waldgrenze, nördlich bis an die polare Grenze, im Süden bis Nordafrika, arabische Halbinsel, in Australien eingeführt und heute mit Ausnahme der Wüstengebiete verbreitet.

In Liechtenstein kann man dem Rotfuchs auf der gesamten Landesfläche begegnen. Auffallend ist die zunehmende Nähe des Fuchses zu den Siedlungen in allen Gemeinden des Landes.



Lebensraum

Grösse und Struktur des Lebensraums hängen von der Verfügbarkeit der nötigen Ressourcen und der Populationsdichte ab. Fuchsreviere können dementsprechend von einigen dutzend Hektaren bis mehrere Quadratkilometer Fläche umfassen. Siedlungsgebiete können dabei genau so attraktiv sein wie Feld- und Waldgebiete. Fuchsspuren sind in Liechtenstein bis über eine Höhe von 2000 Meter festzustellen. Vor allem in den Sommermonaten sind in Liechtenstein Meldungen aus der Bevölkerung häufig, die sich über halbzahme Füchse in den Gärten beklagen. Dies ist einerseits darauf zurückzuführen, dass Jungfüchse von Privatpersonen gefüttert werden, anderseits finden Füchse sehr häufig verwertbare Speisereste auf den privaten Komposthaufen.

 

Gefährdung und Schutzmassnahmen

Der Fuchs ist in Liechtenstein weit verbreitet und nicht gefähr det. Die Abschüsse durch Jäger und zahlreiche Verkehrsunfälle beeinflussen den Bestand am meisten. Im Jagdjahr 2008/2009 wurden 330 Füchse erlegt. Daneben haben Seuchen wie früher die Tollwut oder die Räude einen grösseren Einfluss auf den Bestand. Die natürlichen Feinde
wären Bär und Wolf. Dem Steinadler fallen immer wieder vor allem unerfahrene Jungfüchse zum Opfer. Durch Jagd allein kann der Fuchsbestand nicht wesentlich reduziert werden. Der Pelz hat für den Menschen an Attraktivität verloren und wird für einige Franken das Stück gehandelt. Noch vor rund 50 Jahren konnte ein guter Fuchspelz bis zu 100 Franken einbringen. Die jährlichen Bau-Begasungsaktionen in den Jahren 1984-1988 zur Bekämpfung der Tollwut liessen den Fuchs nach Aussagen der Jäger damals selten werden. Die jährlichen Abschusszahlen gingen zurück. Durch Impfaktionen in den Jahren 1990, 1992 und 1993 konnte die Tollwut bis heute verdrängt werden, was die Entwicklung des Bestands sehr positiv beeinflusste. Im Jahre 2009 wurden 12 bestätigte tote Füchse durch Staupe bekannt.

Michael Fasel

 


Quelle: Regierung des Fürstentums Liechtenstein (2011): Naturkundliche Forschung im Fürstentum Liechtenstein, Band 28