Dachs (Meles meles)

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Familie: Marderartige (Mustelidae)

Dachs 
Foto: Markus Stähli

 

Merkmale

Der Dachs ist der grösste Vertreter der Marderartigen in Europa mit einer Kopf-Rumpf Länge von bis zu 90 cm. Sein markantestes Merkmal sind die kontrastreichen schwarzweissen Längsstreifen am Kopf. Die rüsselartige Schnauze unterstützt das Stochern nach Nahrung im Boden. Der Körper ist kräftig und wirkt plump. Ein Dachs kann je nach Alter und Jahreszeit 9 bis 18 kg schwer werden. Sein Fell setzt sich aus borstigen, schwarz-weiss gestreiften Grannenhaaren und weissen Wollhaaren zusammen. Kehle, Bauch und Beine sind gänzlich schwarz. Im April/Mai und September/Oktober findet der Fellwechsel statt. Die Extremitäten sind kurz und stämmig und die Vorderfüsse sind mit starken Krallen zum Graben und für die Nahrungssuche bestückt. Ein Knochenkamm entlang des Hinterschädels vergrössert die Ansatzfläche der Kaumuskeln. Zusammen mit einem festen Scharnier am Kiefergelenk ermöglicht dies eine enorme Beisskraft.

Der Dachs ist mit seinen kleinen Augen und Ohren sowie den kräftigen Vorderpfoten bestens an ein Leben unter dem Boden angepasst. Zwischen den Geschlechtern gibt es keine auffälligen äusserlichen Unterschiede.

 

Biologie

Von Februar bis Mai dauert die Paarungszeit, oft verlängert von Juli bis Oktober. Dachse weisen eine verlängerte Tragzeit auf, bedingt durch eine Keimruhe und eine verzögerte Einnistung des Keims in die Gebärmutterschleimhaut im Dezember/Januar. Die effektive Tragzeit beträgt lediglich 45 Tage. Im Februar/März bringt die Fähe zwei bis fünf blinde Junge zur Welt. Deren Fell ist schmutzigweiss und weist noch eine undeutliche Kopfzeichnung auf. Nach etwa acht Wochen verlassen die Jungen den Bau zum ersten Mal. Ab der 10.-12. Woche beginnt die Mutter die Jungen zu entwöhnen und ab dem 5. Monat ernähren sich die Jungtiere selbständig. Im Alter von 12-15 Monaten sind die Tiere geschlechtsreif. Das bisher festgestellte Höchstalter beträgt 16 Jahre, das Durchschnittsalter etwa vier Jahre.

Der Dachs ist ausschliesslich dämmerungs- und nachtaktiv, wobei der genaue Zeitpunkt des Verlassens des Baues der Tageslänge angepasst wird. Den Tag über ruht oder schläft er im selbst gegrabenen Bau, «Dachsburg» genannt.  Dieser zeichnet sich durch mehrfache geräumige Höhlengänge und Wohnkammern, deutliche Auswurfhügel und durch festgetretene, regelmässig benutzte Eingänge aus. Er kann über Generationen hinweg genutzt und ausgebaut werden.
Grosse Erdbaue werden oft gemeinsam mit Füchsen bewohnt. Dachse halten keinen echten Winterschlaf, sondern eine Winterruhe mit nur mässig reduziertem Stoffwechsel, das heisst, dass er bei milder Witterung immer wieder aktiv wird und den Bau verlässt.

Der Dachs ist ein Allesfresser, wobei der Speiseplan je nach Gebiet und Jahreszeit variiert. Die Nahrung setzt sich aus Regenwürmern, Insekten wie Käfern und Wespenlarven, Schnecken, Amphibien, reifen Früchten, Beeren, Wurzeln und gelegentlich auch Feldfrüchten wie z.B. Mais zusammen. Regelmässig raubt der Dachs Mäuse- oder Vogelnester bodenbrütender Arten aus.

Territorien werden besetzt, aber nur bei hohen Bestandesdichten verteidigt. Territorien und Baue werden mit Kot markiert, der in kleine offene bis zu 15 cm tiefe Gruben gelegt wird. Dachse wurden lange als Einzelgänger bezeichnet, was aber nur für die Nahrungssuche zutrifft. In den Bauen leben sie in Familienverbänden. Die Gruppengrösse und das Sozialverhalten werden stark von Habitatverhältnissen und dem Nahrungsangebot beeinflusst.

 

Dachs
Markant ist die Kopfzeichnung des Dachses und der gedrungene Körperbau. (Foto: Xaver Roser)

 

Verbreitung

Unser Dachs ist in ganz Europa verbreitet (ausser im nördlichen Teil Skandinaviens und Russland, sowie den meisten Mittelmeerinseln) und im gemässigten Asien bis Japan. In der Schweiz wurden Dachse bis in einer Höhe von 2300 m ü.
M. nachgewiesen.

Die Kenntnis über die Verbreitung in Liechtenstein beruht auf Angaben gebietskundiger Jäger und Jagdaufseher. Der Dachs kommt über das ganze Land verteilt vor, vom Eschnerberg im Norden über die Landwirtschaftsgebiete im Talraum, die rheintalseitigen Hanglagen bis in den Bereich der oberen Waldgrenze.

Noch in den 1960er-Jahren wurden 10 bis 20 Tiere jährlich gemäss Jagdstatistik erlegt. Insbesondere die Begasung der Bauten gegen die Tollwut zu Beginn der 1970er Jahre hatte den Dachs stark betroffen.

Dachsbaue wurden im Talraum in ausgetrockneten ehemaligen Entwässerungsgräben mit Begleitgehölzen, in Feldgehölzen, Windschutzstreifen und Auenwaldbeständen vorgefunden. In günstigen Lebensräumen, wo landwirtschaftliche Kultur und Alpwirtschaft in der Nähe sind (z.B. Eschnerberg), sind 1-2 Baue/km2 vorhanden. Im Gebirge sind Dachsbaue in geringerer Häufigkeit als in Talnähe. Der höchste Dachsbau wurde im Guschgfieler Täle in einer Höhe von rund 1800 m ü. M. nachgewiesen.

 

 
Angaben zur Lage von Dachsbauten in Liechtenstein nach Umfrage bei Jägdpächtern und Jagdaufsehern 2010 sowie Sichtungen.

 

Lebensraum

Der Dachs ist relativ anspruchslos und gut anpassungsfähig und findet seinen Lebensraum überall wo Gehölzbestände und landwirtschaftliche Kulturen oder Weiden nebeneinander liegen. Die Erdbaue werden am Waldrand oder in der Nähe von Wiesen und Feldern errichtet (oft an einem Hang), an Standorten mit trockenem, sandigem Boden und oft durchklüftetem Blockschutt. Feuchtgebiete werden in der Regel gemieden. Auf offenen Ackerflächen werden hin und wieder Sommerbaue in der Form von Fluchtröhren angelegt.

 

Gefährdung und Schutzmassnahmen

Der Dachs ist in Liechtenstein nicht gefährdet. Er wird weder wegen seines Felles gejagt, wie der Fuchs, noch wegen des Fettes oder des Fleisches. Dachs- und Fuchsfleisch sind geniessbar und schmackhaft und wurden nach Aussage älterer Liechtensteiner Jäger in früheren Zeiten auch hin und wieder zubereitet («Fuchs- oder Dachsschmaus»), heute ist dieses Fleisch jedoch aus der Mode gekommen. Ausser dem Menschen hat der Dachs kaum Feinde, lediglich Jungtiere können von anderen Raubtieren und dem Steinadler erbeutet werden. Die zur Bekämpfung der Tollwut durchgeführten Begasungsaktionen in den Jahren 1984 - 1988 haben damals auch die Dachsbestände dezimiert. Heute werden die Bestände vereinzelt durch den Strassenverkehr und die Jagd und in neuster Zeit durch den Staupevirus (7 bestätigte Todesfälle im Jahr 2009) beeinflusst. Genau Bestandesaufnahmen sowie eine nachgeführte Jagdstatistik fehlen für Liechtenstein.

Denise Camenisch

 


Quelle: Regierung des Fürstentums Liechtenstein (2011): Naturkundliche Forschung im Fürstentum Liechtenstein, Band 28