Baummarder (Martes martes)

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Familie: Marderartige (Mustelidae)

Baummarder 
Foto: Markus Stähli

 

Merkmale

Der Baummarder wird aufgrund seines wertvollen Pelzes auch Edelmarder genannt. Er ist knapp hauskatzengross, mit 0.8-1.8 kg aber wesentlich leichter. Sein Fell ist weich, dicht und glänzend und von kastanien- bis dunkelbrauner Farbe mit gelbgrau bis rötlichen Wollhaaren. Die Körperseiten und der Bauch sind gelblichbraun, der buschige, lange Schwanz (etwa halbe Körperlänge) und die Beine sind schwarzbraun. Die Fellfarbe variiert je nach Jahreszeit und Klima. Das Fell wird zweimal jährlich gewechselt (April/Mai und August), wobei das Sommerfell dünn und kurzhaarig ist, das Winterfell dicht und lang. Die schwarz bis schwarzgraue Nase sowie die ganzjährig behaarten Fusssohlen, sind eindeutige Unterscheidungsmerkmale zum Steinmarder. Der Kehlfleck ist meist gelb bis orangefarben (selten weiss) mit einer grossen Variationsbreite (von Einzelflecken bis mit dunkelbraunen Flecken durchsetzt), jedoch selten nach unten hin gegabelt wie beim Steinmarder. Der Kehlfleck ist kein hundertprozentiges Unterscheidungsmerkmal zum Steinmarder. Die Ohren sind leicht dreieckig mit abgerundeter Spitze und gelben bis weisslichen Rändern. Der Baummarder ist höher (längere Extremitäten) und schlanker gebaut als der Steinmarder und ebenfalls ein sehr guter Kletterer. Die gute Nase sowie die Tasthaare am Kopf und die Borsten an den Innenflächen der Vorderextremitäten ermöglichen die Orientierung in der Nacht.

 

 

Biologie

Die Dämmerung und Nacht sind die Hauptaktivitätszeit des Baummarders. Er ist zeitweise auch am Tage unterwegs, was vor allem vom Nahrungsangebot abhängt. Die Tagesruhe wird vorwiegend in den Bäumen verbracht. Die Schlafplätze werden meist nicht selber gebaut, sondern von anderen Tieren übernommen und gegebenenfalls angepasst. Typische Schlafplätze sind Nester von Rabenkrähen, Spechthöhlen, hohle Bäume oder Eichhörnchenkobel. Am Boden können Felsspalten oder Steinblock-, Erd- und Wurzelhöhlungen als Unterschlupf dienen. Im Winter befinden sich die Schlupfwinkel unter der Erde oder zwischen den Wurzeln, da der Baummarder kaum über Fettreserven verfügt und das Fell auch nur eine unzureichende Isolierung bietet. Der Baummarder hält wie der Steinmarder keinen Winterschlaf. Der Speiseplan des Baummarders ist umfangreich und beinhaltet saisonabhängig sowohl tierische wie auch pflanzliche Kost. Gefressen werden Kleinsäuger, Insekten (v.a. Laufkäfer, aber auch Bienen), Vögel (v.a. verschiedene Drosselarten), Pflanzen, Waldbeeren und Früchte. Kotanalysen wiesen ebenfalls Überreste von Reh und Fuchs auf, die vermutlich als Aas aufgenommen wurden. Hasen, Regenwürmer, Amphibien, Reptilien und Vogeleier ergänzen das Nahrungsspektrum. Die Jagd auf Eichhörnchen ist sehr energieaufwändig und macht, entgegen früheren Behauptungen, nur einen geringen Anteil der Nahrung aus. Grössere Beute wird auf einen Baum geschleppt und dort in Ruhe verzehrt. Gejagt und gesammelt wird vorwiegend am Boden. In einer Nacht werden je nach Nahrungsangebot im Durchschnitt fünf bis sieben Kilometer weite Strecken zurückgelegt, wobei die Männchen viel weiter herumstreifen als die Weibchen. Um Energie zu sparen lassen sich die Tiere meist dort nieder, wo sie sich am Ende der Nacht befinden. Der Ruheplatz wird folglich fast jeden Tag gewechselt, mit Ausnahmen während der Jungenaufzucht und im Winter. Ausserhalb der Paarungszeit sind Baummarder Einzelgänger. Vereinzelt werden Männchen und Weibchen im Winter zusammen beobachtet. Da eine Befruchtung zu dieser Zeit sehr unwahrscheinlich ist, wird dieses Phänomen als «falsche Paarung» bezeichnet. Die Ranzzeit liegt zwischen Juni und August, wobei das Weibchen an wenigen Tagen empfänglich ist. Die Embryonen durchlaufen eine Keimruhe, die zwischen Mitte Januar und Mitte März durch die Einnistung der befruchteten Eizelle endet. Die eigentliche Tragzeit beträgt einen Monat. Im März/April kommen zwei bis fünf, im Durchschnitt drei Junge zur Welt. Als typische Nesthocker sind die Jungen zunächst blind und taub, besitzen aber schon einen dichten Pelz. In den nächsten fünf bis sieben Wochen werden die Jungtiere im Nest gesäugt. Im September/Oktober verlassen sie die Mutterfamilie. Die Geschlechtsreife wird im 2.-3. Lebensjahr erreicht. Baummarderweibchen haben nicht zwingend jedes Jahr Junge.

Jedes Tier hat sein eigenes Streifgebiet, wobei die Grösse vom Nahrungsangebot, der Jahreszeit und der Umgebungsstruktur abhängt. Das Männchengebiet kann das von mehreren Weibchen einschliessen. Das eigene Gebiet wird markiert, aber nicht aggressiv gegenüber Artgenossen verteidigt oder an den Grenzen intensiver markiert, wie es territoriale Arten tun.

 

 


Eine Unterscheidung zwischen Baum- und Steinmarder ist in freier Wildbahn oft nicht möglich,
da die meisten Unterscheidungsmerkmale nur auf kurze Distanzen, wenn überhaupt, ersichtlich
sind. Nachfolgend sind eindeutige (Punkt 1-4) und weniger eindeutige Unterscheidungsmerkmale
(5-7) zwischen Baum- und Steinmarder aufgeführt.

 

 

Verbreitung

Der Baummarder kommt in fast ganz Europa vor. Er fehlt in Island, in Spanien südlich der Pyrenäen und im Süden von Griechenland und Grossbritannien. In Asien reicht das Verbreitungsgebiet bis nach Westsibirien und im Süden von Kleinasien bis nach Irak und Iran.

Für Liechtenstein sind nur Einzelnachweise bekannt. Der Baummarder kommt aber wahrscheinlich auf der rheintalseitigen Abdachung im ganzen Waldgürtel vor, wobei der Schwerpunkt in der unteren Bergstufe liegen dürfte (VON LEHMANN 1955). In der Sammlung des Prinzen Hans von Liechtenstein ist ein von ihm im Jahre 1951 bei Prufatscheng (Triesenberg) erlegter Baummarder vorhanden. Im Dezember 1981 wird ein Exemplar bei Triesen erlegt und im Februar 1982 wird im Gamswald (Steg) ein Exemplar von Dr. Markus Hasler geschossen. Es liegen zudem nicht bestätigte Beobachtungen vom Eschnerberg vor, sowie ein geschossenes Exemplar. Dieses Fell stammt von einem Baummarder, der in den 1980er Jahren im «Foppi» in der Gemeinde Triesen von Jagdaufseher Gebi Schurti erlegt wurde. Aus Vorarlberg gibt es ebenfalls nur zwei aktuelle Fundmeldungen (SPITZENBERGER 2006).

 

 

Lebensraum

Naturnah aufgebaute, strukturreiche Nadel-, Laub- und Mischwälder sind der Hauptlebensraum des Baummarders. Diese sind idealerweise geschlossen und weitläufig. Eher selten hält er sich an Waldrandbereichen auf. Er benötigt Deckungsmöglichkeiten wie Hecken oder dichte Waldstrukturen und ist daher kaum im offenen Gelände anzutreffen. Besiedelte Gebiete werden im Gegensatz zum Steinmarder in der Regel gemieden. Trotz seines Namens lebt der Baummarder nicht ausschliesslich auf Bäumen.

 

 

Gefährdung und Schutzmassnahmen

Aufgrund der relativen Seltenheit des Baummarders in Liechtenstein dürften die meisten Beobachtungen auf den Steinmarder fallen. Da beide im Feld zudem kaum unterscheidbar sind, ist über den Baummarder nur wenig bekannt. Er ist schwierig zu beobachten und kommt in der Regel nur in geringen Dichten vor, wahrscheinlich aufgrund des hohen Raumanspruchs.

Der Baummarder ist in Liechtenstein geschützt. Eine Bedrohung besteht jedoch durch eine Verwechslung bei der Jagd auf den Steinmarder. Ein langfristiges Monitoring fehlt bisher für Liechtenstein. Weitere Studien sind nötig, um mehr über sein Vorkommen und seine Biologie zu erfahren und um seine Gefährdung beurteilen zu können.

Denise Camenisch

 

Baummarder
Typisch für den Baummarder ist die schwarz-graue Nase. (Foto: Markus Stähli)

 


Quelle: Regierung des Fürstentums Liechtenstein (2011): Naturkundliche Forschung im Fürstentum Liechtenstein, Band 28