Bisamratte (Ondatra zibethicus)

Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Familie: Wühler (Cricetidae)

Bisamratte 
Foto: Rainer Kühnis

 

Merkmale

Die aus Nordamerika stammende Bisamratte ist mit der einheimischen Schermaus verwandt und ist damit keine Rattenart. Die Bezeichnung Bisam verdankt sie dem stark nach Moschus duftenden Sekret, das Männchen absondern. Die Bisamratte wirkt mit einer Kopf-Rumpflänge von 30-36 cm und zusätzlichem 20-25 cm langen Schwanz etwas plump und gedrungen. Mit etwas mehr als einem Kilogramm Gewicht kann sie allenfalls mit einem jungen Biber verwechselt werden. Sie ist zugleich grösser als eine Wanderratte. Charakteristisch ist der seitlich abgeplattete Schwanz, der aber nicht breit und flach wie beim Biber ist. Das sehr weiche und dichte Fell ist dunkel- bis schwarzbraun.

Anzeichen für Bisam-Vorkommen lassen sich durch Spuren in der Uferböschung (z.B. eingefallene Kessel und Gänge von älteren Bauten), Frassspuren mit schrägen Abbissstellen und regelmässig benutzte Fressplätze, Kotspuren auf Gegenständen deponiert und Wechsel und Kanäle in der Vegetation erkennen. Das Fell der Bisamratte ist für die Pelzindustrie wertvoll.

 

Biologie

Die Bisamratte ist ein Dämmerungs- und Nachttier und ganz jährig aktiv. Es werden Erdbaue und Burgen errichtet. Erdbaue werden in die Uferböschungen angelegt und dienen als Unterkunft in der Vegetationszeit. Burgen werden im Herbst gebaut und vor allem im Winter als Wohnquartier benutzt. Ihr Standort befindet sich am Ufer oder in seiner Nähe. Als Baumaterial werden Schilf, Schachtelhalme und andere Pflanzen verwendet. Die Höhe beträgt etwa 60-100 cm, der Durchmesser 150-200 cm. Im Alter von sieben bis acht Monaten sind die Bisamratten bereits geschlechtsreif. Die Paarungszeit ist von April bis Oktober, die Trächtigkeit dauert etwa vier Wochen. Es werden zwischen drei und zehn Jungen geboren, wobei die Jungen ihre Augen am 9. Tag öffnen und den Bau nach etwa zwei Wochen das erste Mal verlassen. Ein Weibchen kann drei bis vier Würfe im Jahr haben und erreichen ein Alter von drei bis fünf Jahren. Sie ernährt sich hauptsächlich von Wasserpflanzen, als Zusatznahrung dienen Muscheln, Schnecken und Krebse.

 

Verbreitung

Die ursprüngliche Heimat der Bisamratte sind die USA und Kanada. Die Bisamratte eroberte sich Mitteleuropa in zwei Stossrichtungen. Der Einmarsch in die Nordwestschweiz hat seinen Ursprung in einer Bisamrattenfarm in der Nähe des elsässischen Belfort, wo 1928 rund 500 Tiere entwichen sind. Bereits 1935 wurden die ersten Tiere bei Boncourt im Jura und im Raum Basel festgestellt. Die Tiere besiedelten in der Folge etliche Wasserläufe der Nordwestschweiz. Die zweite Invasionswelle erreichte die Schweiz vom Osten. Sie wurde 1905 nahe Prag vom Fürsten Colloredo-Mansfeld begründet, der die Bisamratte von einer Jagd in Alaska mitbrachte und zur Pelzzucht ansiedelte. Sie breiteten sich entlang der Wasserläufe rasch aus. Man nimmt an, dass ein Grossteil der heute in Mitteleuropa beheimateten Bisamratten aus diesem «Reisegepäck» stammt. 1914 erreichte die Bisamratte bereits das österreichische Mühlviertel. Über Deutschland folgte anfangs der 1980-er Jahre die Einwanderung in die Ostschweiz und den Bodenseeraum. Die Bisamratte ist heute von der Nordschweiz (Jura) bis in die Ostschweiz verbreitet. In den Vorarlberger Nachrichten vom 10. August 1979 ist von einer Bisamjagd am Bodensee die Rede, nachdem die Ratten vorerst den Untersee entdeckt hätten. Im Juli 1980 wurden drei Bisamratten bei Hard am Vorarlberger Bodensee gefangen. Anfangs der 1980-er Jahre wird die Bisamratte das Alpenrhein-System hinaufgewandert sein.

Bisamratte 
Junge Bisamratte (Rainer Kühnis)

 

KRÄMER (2006) hält in einem Kartenausschnitt die Invasion der Bisamratte am Bodensee und im Alpenrheintal fest. Danach hätte der Bisam 1977 den Bodensee erreicht. 1980/81 soll er bereits bis zum Illspitz vorgedrungen sein. Chur wird schliesslich um 1991 erreicht.

Am 31. März 1985 wird die erste Bisamratte beim Zollamt Schaanwald durch Oswald Bühler geschossen (Rechenschaftsbericht der Regierung 1985, S. 201). Der damalig erscheinende Gross-Anzeiger vom 27. Januar 1987 macht auf die Bisam-Einwanderung im St.Galler Rheintal aufmerksam, nachdem die erste Bisamratte im Kanton St.Gallen 1986 erlegt wurde.

Das FL-Landesforstamt schrieb am 13. Oktober 1987 an die Jagdleiter und ersuchte um Abschuss von Bisamratten. Sie wurde ganzjährig bejagdbar, seit 2004 allerdings nur noch vom 1.6. bis 28.2. 1988 wurden im St.Galler Gebiet Rheintal- Werdenberg bereits 84 dieser Tiere gefangen ohne dass der Bestand merklich abnahm.

Die liechtensteinischen Abschüsse konzentrierten sich bisher auf die Gemeindegebiete von Ruggell (Mölibach, Spiersbach) und Balzers (St.Katharinenbrunnen). Im Jagdjahr 1990/91 war die Bisamstrecke in Liechtenstein acht Tiere und im Folgejahr bereits vierzehn.

Persönlich sah ich die Bisamratte bisher im Ruggeller Riet, am Binnenkanal unterhalb von Ruggell, im Gampriner Seelein, im Schlammsammler des Naturschutzgebietes SchwabbrünnenÄscher und im Heilos-Triesen. Die Bisamratte gehört heute zu unserer einheimischen Fauna und wird uns erhalten bleiben.


Die Bisamratte ist vor allem entlang der Gewässer verbreitet.

 

Lebensraum

Die Bisamratte ist eng an das Wasser gebunden und lebt an stehenden Gewässern und an Fliessgewässern, deren Strömung nicht stark ist. Die Hauptnahrung besteht aus Schilf und weiteren Wasserpflanzen. Neben den krautigen Pflanzen werden auch gerne kleinere Weidenzweige abgebissen und entrindet. Xaver Roser, Ruggell, hat beobachtet wie eine Bisamratte einem Biber Weidezweige gestohlen hat (persönl. Mitt. 3.8.2010). Gelegentlich können Bisamratten auch landwirtschaftliche Kulturen mit Rüben, Kohl und Mais besuchen. Auch tierische Nahrung wie Muscheln, Schnecken werden verzehrt.

 

Gefährdung

Die rege Wühltätigkeit der Bisamratte kann erhebliche Schäden an Dämmen verursachen. Sie können untergraben werden, was zu Dammbrüchen führen kann. Die Erosion an den Ufern wird zudem beschleunigt. Ebenso sind Frassschäden an landwirtschaftlichen Kulturen bekannt. Die Bisamratte ist als Neueinwanderer kein gern gesehener Gast.

Mario F. Broggi

 


 Bisamratten können mit ihren Erdbauen die
Dammstabilität verringern. (Fotos Rainer Kühnis).

 


Schwimmende Bisamratte am Irkales in Vaduz.
(Fotos R. Kühnis).

 

Quelle: Regierung des Fürstentums Liechtenstein (2011): Naturkundliche Forschung im Fürstentum Liechtenstein, Band 28