Jäger und Förster gemeinsam für den Schutzwald

An einer Waldbegehung in den Triesner und Triesenberger Forstrevieren diskutierten am 20. Mai 2017 Jäger, Förster und Behörden über Probleme im Wald.

Die natürliche Waldverjüngung in vielen Waldflächen ist immer noch ungenügend. Obwohl durch die Jagd in den letzten rund 20 Jahren der Wildbestand stark reduziert worden ist, finden sich immer noch Waldflächen, wo der Verbiss durch Hirsch, Gams und Reh zu hoch ist. Zusätzlich zum Wildverbiss kommt das Ulmen- und Eschentriebsterben dazu, verursacht durch aus dem Ausland eingeführte Pilze und Insekten. Dadurch wird die benötigte artenreiche Durchmischung der Wälder zusätzlich reduziert. Unter Beisein von Regierungsrätin Dominique Gantenbein, Ministerium für Inneres, Bildung und Umwelt, zeigten die Gemeindeförster Martin Tschol und Thomas Zyndel sowohl positive wie negative Waldbilder.
Die intensive Bejagung und Reduzierung der Wildbestände in den letzten 20 Jahren zeigt auf vielen Waldflächen Erfolg. Die grossflächigen Pflegeeingriffe der Förster unterstützen eine junge Waldvegetation, indem das Kronendach aufgelichtet wird und mehr Licht auf den Waldboden gelangt. Die Förderung der natürlichen Waldverjüngung ist deshalb grundsätzlich auf gutem Weg, weitere jagdliche Bemühungen sind jedoch notwendig. Aus jagdlicher Sicht ist es wichtig, den Wildbestand landesweit weiterhin zu reduzieren. Diese Massnahme allein genügt jedoch nicht. Es ist gleichzeitig notwendig, die am stärksten vom Verbiss belasteten Standorte kleinflächig intensiv zu bejagen. Auch ist es wichtig zu wissen, welche Wildart welchen Schaden an einem Ort verursacht. Dadurch kann die Bejagung näher an die Ursache herangeführt werden. An Verbiss empfindlichen Waldstandorten können auch wenige Tiere grossen Schaden anrichten. Es kommt nämlich grundsätzlich nicht nur darauf an, wie viele Wildtiere in einem Wald stehen, sondern auch, wie lange sie sich dort aufhalten. Hirsch, Gams und Reh nehmen ihr Futter am liebsten auf artenreichen Wiesen ausserhalb des Waldes auf. Dazu braucht es ungestörte Gebiete.
Wir brauchen verbesserte Informationen darüber, wo die beliebten Aufenthaltsgebiete der verschiedenen Wildarten zu verschiedenen Jahreszeiten sind, wo durch die Jagd am meisten eingegriffen werden muss und wo die Störungen durch Menschen zu reduzieren sind. Auch die landwirtschaftliche Situation muss in eine solche Betrachtung mit einbezogen werden. Die Ursachen für die Zustände im Wald sind sehr vielschichtig, die Jagd und die Regulierung der Wildbestände ist der wichtigste, aber nicht der einzige Aspekt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Lösung. Es stellt sich für Liechtenstein immer mehr die Frage, wo raumwirksame Tierarten wie z.B. der Rothirsch, aber auch der Biber, der Luchs oder der Wolf überhaupt noch geeigneten Lebensraum finden. Die menschliche Nutzung ist vor allem im Tal Raum und auf den waldfreien Gebieten des Gebirgsraums extrem hoch. Tierarten, die bis zu 100 Quadratkilometer Lebensraum benötigen, kommen dadurch in immer grössere Konflikte. Deshalb sind die "Probleme", die mit solchen Tierarten entstehen, vom Menschen gemacht und nicht vom Tier. Für eine nachhaltige Planung muss zudem der Blick über die Jagdreviergrenzen und auch über die Landesgrenzen hinaus gerichtet werden.Teilnehmer der Waldbegehung vom 20. Mai 2017Jäger, Förster und Vertreter des Amts für Umwelt sowie Regierungsrätin Dominique Gantenbein und Vorsteher Christoph Beck besichtigen Problemgebiete im Schutzwald "Vorderberg" in der Gemeinde Triesenberg.
Bild: M.Fasel. Weitere Bilder der Waldbegehung 2017.

 

Jäger und Förster gemeinsam auf Kurs

Warum es im Schutzwald ohne Weisstanne und Bergahorn nicht geht.

Die Waldbegehung vom 14. Mai 2016 war ein Startschuss für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Jägerschaft, Förstern und dem Amt für Umwelt, um bestehende Probleme verstärkt angehen zu können. Weitere solche Diskussionsrunden im Wald sind für das nächste Jahr auch im Oberland und im Berggebiet vorgesehen.

Zusammen mit den Gemeindeförstern und dem Amt für Umwelt will die Liechtensteiner Jägerschaft Lösungen erarbeiten, um dem schwierigen Problem des Wildverbisses Herr zu werden. Die Anstrengungen der Jäger für die Erfüllung der hohen Abschusspläne haben in den letzten 20 Jahren bereits sichtbare Erfolge gebracht. Die Gemeindeförster berichten von grossflächig erfreulichen Entwicklungen im Jungwald. Vor allem aber in steilen Schutzwaldbereichen, wo ohne Weisstanne und Bergahorn kein dauerhafter Schutz möglich ist, wird lokal immer wieder ein zu hoher Verbiss durch Hirsch, Gams und Reh festgestellt. Neben diesen beiden Hauptbaumarten sollen aber auch weitere, beim Wild ebenfalls beliebte Gehölzarten eine Chance haben. Dabei genügt es nicht, den Wildbestand landesweit zu senken, es muss vor allem auch lokal gehandelt werden. In den prekären Schutzwaldlagen, wo der Wald schon von Natur aus Mühe hat aufzukommen, muss mit drastischen jagdlichen Mitteln eingegriffen werden. Keine leichte Aufgabe für die Jäger. In besonders empfindlichen Waldstandorten kann es passieren, dass trotz vermehrtem Abschuss bei allen Wildarten, ein kleines Rudel Gams oder Hirsche durchwandert und dabei die vorhandenen Weisstannen oder Ahorne  in wenigen Tagen verbeisst. Wildzäume sind hier meist aufgrund des Steinschlags und Schneeschubs nicht möglich und sind auch aus grundsätzlicher Sicht nicht erwünscht. In abgelegenen Waldstandorten kann es sein, dass vor allem im Winter und Frühling wochenlang kein Förster oder Jäger hinkommt. Dazu gibt es eine jagdliche Schonzeit von Januar bis Juni, in der die Wildtiere ihre Ruhe vor dem Jäger haben sollen.

Zielsetzung: In 10 Jahren ist die notwendige Verjüngung der wichtigsten Baumarten im Schutzwald gesichert.

Um für diese verzwickte Lage Lösungen zu finden, erarbeiten Jäger, Förster und das für die Jagd zuständige Amt für Umwelt Strategien, die eine nachhaltige Entwicklung ermöglichen. Eine Arbeitsgruppe soll dafür eingerichtet werden. Dabei sind folgende Bereiche besonders wichtig:

  • Verbesserung der Kommunikation zwischen Förstern und Jägern
  • Vermehrte Information der Jäger und der Öffentlichkeit
  • Verbesserung des Zusammenwirkens innerhalb der Jägerschaft
  • Konsensfindung zwischen den Anliegen der Waldwirtschaft und der Jagd
    Anpassung von behördlichen Vorschriften
  • Umsetzung konkreter Massnahmen

Die Liechtensteiner Jägerschaft informiert laufend an dieser Stelle.
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Weiterführende Informationen
Jägerschaft und Förster gemeinsam auf Kurs
Nutzen der Weisstanne im Schutzwald
Bedeutung und Gefährdung der Weisstanne
Die Tanne - Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e.V.

 

Teilnehmer der Waldbegehung vom 14.05.2016Teilnehmer der Waldbegehung vom 14. Mai 2016. Weitere Bilder der Waldbegehung.